Das britische Erdölunternehmen BP weigert sich, einen Aktionärsantrag an der Generalversammlung 2026 zu traktandieren. Dieser wurde von einer Investorengruppe, darunter die Ethos Stiftung und mehrere ihrer Mitglieder, eingereicht. Diese Entscheidung steht im Kontext von geschwächten Aktionärsrechten auf verschiedenen Märkten, insbesondere in den Vereinigten Staaten, sowie grossen Ölkonzernen, die ihre Klimaschutzverpflichtungen zurücknehmen.
Die letzte Woche veröffentlichte Einladung zur Generalversammlung 2026 von BP hielt eine böse Überraschung bereit. Das im Bereich fossiler Energien tätige Unternehmen weigert sich entgegen allen Grundsätzen guter Unternehmensführung, einen Antrag einer Aktionärskoalition auf die Tagesordnung zu setzen. Am 26. Januar hatte das Unternehmen den Antragstellern noch bestätigt, dass die für die Einreichung eines Antrags erforderliche Schwelle von 100 Aktionären erreicht worden war.
Bislang hat BP keine Erklärung für den Entscheid abgegeben. Der Aktionärsantrag wirft die grundlegende Frage auf, wie das Unternehmen angesichts des mittel- und langfristig erwarteten Nachfragerückgangs nach Gas und Öl weiterhin Wert schaffen will.
Schwerwiegender Verstoss gegen Aktionärsdemokratie
«Die Weigerung von BP, den gültig eingereichten Aktionärsantrag nicht zur Abstimmung zu bringen, stellt einen schwerwiegenden Verstoss gegen die Grundrechte der Aktionärinnen und Aktionäre dar», erklärt Vincent Kaufmann, Direktor der Ethos-Stiftung. «Das Recht, einen Gegenstand der Generalversammlung zur Abstimmung vorzulegen ist eine tragende Säule der Aktionärsdemokratie. Das Aktionariat kann so sensible Themen ansprechen, eine Debatte erzwingen und den Verwaltungsrat zur Rechenschaft ziehen. Alle Anlegenden, unabhängig von ihrer Position zu der zugrunde liegenden Frage, sollten über einen solchen Präzedenzfall besorgt sein.»
Die Weigerung von BP steht im Zusammenhang mit wiederholten Verletzungen der Grundrechte der Aktionärinnen und Aktionäre. Namentlich kündigte die US-Börsenaufsicht SEC im November 2025 an, dass sie auf die meisten sogenannten «No-Action»-Anträge nicht mehr reagieren werde. Diese zielen darauf ab, Aktionärsbeschlüsse auszuschliessen. Diese Entwicklung erhöht die Unsicherheit für das Aktionariat und erschwert in der Praxis die Ausübung ihrer Einreichungsrechte. Das Traktandierungsrecht ist ein zentraler Mechanismus der Aktionärskontrolle.
Die niederländische NGO Follow This hat diesen Aktionärsantrag initiiert. Follow This hat seit 2016 nicht weniger als sechzehn Aktionärsanträge bei Shell und BP eingereicht. Es ist jedoch das erste Mal, dass sie mit einer solchen Ablehnung konfrontiert ist. «Unseres Wissens gibt es keinen aktuellen Fall, in dem ein FTSE-100-Unternehmen die Aufnahme eines Aktionärsantrags abgelehnt hat, der nach dem britischen Gesellschaftsrecht von 2006 zulässig war», betont Mark van Baal, Gründer von Follow This. «Dieser Fall wirft wichtige Fragen für die Aktionärsdemokratie und die Corporate-Governance-Praktiken im Vereinigten Königreich auf.»
Druck der Aktionäre angesichts des Rückzugs von BP aus der Energiewende
Am 14. Januar 2026 kündigte die von Follow This angeführte Investorenkoalition die Einreichung eines Aktionärsantrags für die Generalversammlung von BP an. Die Ethos Stiftung sowie mehrere ihrer Mitglieder (Pensionskasse der Stadt Zürich, Pensionskasse Bern) sind daran beteiligt. Die Koalition vereint Vermögen von über 1000 Milliarden Euro.
Der Antrag fordert das Unternehmen auf, seine Strategie zur Wertschöpfung trotz künftig sinkender Gas- und Ölnachfrage darzulegen. Derselbe Aktionärsantrag wurde auch bei Shell eingereicht. Damit erhöhen die Aktionärinnen und Aktionären den Druck auf die Unternehmensführung und beleben die Debatte über die mittel- und langfristige Wirtschaftlichkeit fossiler Energien.
«Wir sind nach wie vor überzeugt, dass im Bereich fossiler Energien tätige Unternehmen eine Rolle im mehr denn je notwendigen Übergang zu einer nachhaltigeren Welt und Wirtschaft spielen müssen», betonte Vincent Kaufmann damals. «Sie verfügen nicht nur über das Kapital, sondern auch über die erforderliche Expertise, um dies zu tun. Wenn sie hingegen ihre Investitionen nicht rasch auf kohlenstoffarme Energien umlenken, werden die Aktionärinnen und Aktionäre dieser beiden Unternehmen erhebliche Wertverluste hinnehmen müssen.»
Im vergangenen Jahr beschloss BP, seine Strategie wieder auf Öl und Gas zu konzentrieren und erneuerbare Energien zu vernachlässigen. Der Verwaltungsrat schlägt daher Generalversammlung vom 23. April 2026 vor, die Beschlüsse von 2015 und 2019 zugunsten einer grösseren klimabezogenen Transparenz zu widerrufen.
Unterstützung für den von ACCR eingereichten Antrag
Vor dem Hintergrund dieses Rückschritts ruft die Ethos-Stiftung alle Aktionärinnen und Aktionäre dazu auf, an der kommenden BP-Generalversammlung den von der NGO ACCR und einer Investorengruppe eingereichte Aktionärsantrag zu unterstützen (Beschluss 24). Er verlangt von BP grössere Transparenz zur Kapitalallokationsstrategie und zu den Investitionen in Öl- und Gasprojekte.